Die Verführerin Adele Spitzeder (2011)

Die Verführerin Adele Spitzeder (2011)

Eine mit­tel­mä­ßige Schauspielerin flieht vor ihren Gläubigern von Wien nach München und macht dort aus­ge­rech­net eine kleine, aber reich­lich betrü­ge­ri­sche Privatbank auf. Klingt ziem­lich erfun­den, ist aber tat­säch­lich pas­siert, und so eine wilde Geschichte passt natür­lich gerade genau in die Zeit, wo doch alle dau­ernd von Finanzkrisen reden. Der Bayerische Rundfunk und das Öster­rei­chi­sche Fernsehen haben also den Routinier Xaver Schwarzenberger mit der Umsetzung eines Drehbuchs von Ariela Bogenberger betraut, und anläß­lich des Münchner Filmfests war die für das Fernsehjahr 2012 vor­ge­se­hene Produktion jetzt schon mal vorab im Kino zu sehen.

Casino Jack (2010)

Casino Jack (2010)

Lobbyisten sind ein Berufsstand, der nor­ma­ler­weise nur sehr kon­trol­liert das Licht der Öffent­lich­keit sucht, weil sie schlechte Presse noch weni­ger brau­chen kön­nen als ihre Symbionten, die Politiker. Dass einer von ihnen zum Filmprotagonisten taugt, ist des­halb eher eine sel­tene Ausnahme, und Jack Abramoff , des­sen Aufstieg und Fall Casino Jack nach­zeich­net, hätte auf diese Form des Ruhms sicher­lich auch ganz gerne ver­zich­tet. Obwohl er ja ein gro­ßer Kinofan sein soll.

Mysteries of Lisbon (2010)

Mysteries of Lisbon (2010)

Das Blöde bei Filmfesten ist ja das: Man kann über­haupt nie alles sehen, was einen inter­es­siert. Sich auf ein bestimm­tes Genre beschrän­ken zu wol­len — zum Beispiel, sagen wir, auf his­to­ri­sche Filme — hilft da auch nicht viel wei­ter, denn die Programmplaner legen logi­scher­weise geschickt alles auf sich über­schnei­dende oder sonst­wie unmög­li­che Termine.

Sonntag früh um elf hat man natür­lich immer Zeit, aber da muss man dann eben neh­men, was man krie­gen kann, und beim dies­jäh­ri­gen Münchner Filmfest war das jetzt bei­spiels­weise  ein vier­ein­halb­stün­di­ges Monumentalwerk über die Problemchen der bes­se­ren Gesellschaft Portugals in der ers­ten Hälfte des 19. Jahrhunderts.

There Will Be Blood (2009)

There Will Be Blood (2009)

Als Amerika gerade begann, sei­nen dumpf­ba­cki­gen texa­ni­schen Präsidenten und geschei­ter­ten Ölma­gna­ten end­gül­tig satt zu haben, erschien 2007 There Will Be Blood auf den Leinwänden:  ein gro­ßes Epos über die Frühzeit der Ölin­dus­trie, in dem ein Unternehmer lang­sam an sei­ner eige­nen Gier zer­bricht. Der gut getrof­fene Zeitpunkt mag hilf­reich gewe­sen sein, um das Interesse des Publikums zu wecken, aber ein Film, den die Kritik mit Citizen Kane ver­gli­chen hat und den die Academy mit zwei Oscars und sechs wei­te­ren Nominierungen ehrte, hätte sich die­sen zeit­li­chen Zufall wohl gar nicht gebraucht…

Mitten im Sturm (2009)

Mitten im Sturm (2009)

Hier haben wir einen Film, der mich ein biss­chen unvor­be­rei­tet erwischt hat. Normalerweise wird man ja mona­te­lang im Voraus mit Trailern zuge­kleis­tert oder liest schon ein hal­bes Jahr vor dem deut­schen Starttermin Verrisse auf ame­ri­ka­ni­schen Webseiten. In die­sem Fall han­delt es sich aber um eine euro­päi­sche Produktion, die schon 2009 unter Zuhilfenahme diver­ser Filmförderprogramme ent­stan­den ist. Normalerweise ist das eher ein schlech­tes Omen für die Qualität eines Films; bei Mitten im Sturm hat die Beteiligung der Kulturbürokraten wohl nur zu schlech­tem Marketing geführt, denn hand­werk­lich ist er auf gutem Niveau, und es gibt Leute, die die­ses Drama um den sta­li­nis­ti­schen Terror in der Sowjetunion der drei­ßi­ger Jahre sogar schon für den Oscar für die beste weib­li­che Hauptrolle auf dem Zettel hatten.