Der letzte Tempelritter (2011)

71tGUB2kadL._SL1149_.jpg

Nicolas Cage ist zwar ein geach­te­ter und ernst­zu­neh­men­der Schauspieler, so rich­tig mit Oscar daheim auf dem Bücherschrank und allem Drum und Dran, aber er hat offen­bar auch ein Faible für ziem­lich üble Quatschfilme, und die­ser Tendenz setzt er mit dem letz­ten Tempelritter ziem­lich ent­schie­den die Krone auf. Der Film macht sich gleich ver­däch­tig, weil er unter einer land­schaft­lich ziem­lich wüs­ten­haft anmu­ten­den Eingangsszene die Ortsangabe „Villach“ ein­blen­det, sorgt für inten­si­ves Stirnrunzeln, wenn er ein danach paar Schlachten doku­men­tiert, von denen der unge­bil­dete Historiker im Publikum noch nie etwas gehört hat, und ver­ab­schie­det sich nach weni­gen Minuten sou­ve­rän aus der Realität, indem er die bei­den Hauptdarsteller an einem fel­si­gen Meeresufer ent­lang­kra­xeln lässt, das als die Küstenregion der Steiermark aus­ge­wie­sen wird, und das ist ja nun ein öster­rei­chi­sches Bundesland, von dem wahr­schein­lich sogar ein paar Amerikaner wis­sen, dass es da ganz bestimmt kein grö­ße­res Gewässer gibt als einen Stausee. Vielleicht hält der Drehbuchautor Bragi F. Schut das für einen guten Witz. Ich will das jeden­falls hoffen.

Dass das alles mit Geschichte nichts zu tun hat, braucht man eigent­lich gar nicht genauer aus­zu­füh­ren. Worauf sich ja prak­tisch jeder halb­wegs gebil­dete Beobachter beflei­ßigt fühlt, hin­zu­wei­sen, ist die Tatsache, dass Hexenverfolgungen im Mittelalter ver­gleichs­weise sel­ten waren und eher eine Erscheinung der Renaissance. Aber das kann man noch durch­ge­hen las­sen, denn ganz immun gegen sol­che Vorstellungen war das vier­zehnte Jahrhundert ja nun auch nicht direkt. Trotzdem haben wir es hier mit einem Mittelalter zu tun, das nicht ein­mal his­to­ri­scher Hintergrund sein will; es ist ein­fach nur Fantasy. Ein Kritiker hat es „pytho­nesk“ genannt, aber das wäre wirk­lich zu viel der Ehre. Es bewegt sich eher so auf dem Niveau der Kreationen mit­tel­mä­ßig begab­ter Dungeons & Dragons-Spielleiter.

Und lei­der gilt das nicht nur für die Szenerie, son­dern auch für Story und Plot. Irgendwie wäre Der letzte Tempelritter gerne rich­ti­ger Horror und manch­mal ein biss­chen Komödie oder wenigs­tens ein coo­ler Actionfilm, aber nichts davon scheint Regisseur Dominic Sena die­sem Stoff zuzu­trauen, also bleibt letzt­lich prak­tisch gar nichts Interessantes übrig. Wenn man elf ist und wie ein Irrer Ritterbücher ver­schlingt (gibt es sol­che Kinder noch?), dann kann man dem Unfug viel­leicht etwas abge­win­nen, aber dann darf man ihn lei­der nicht sehen, weil er FSK 16 ist. Allen ande­ren bleibt nur übrig, sich auf die öster­rei­chi­schen Alpen zu kon­zen­trie­ren, die tra­di­tio­nell selbst in den blö­des­ten Filmen eine ganz gute Figur machen.